Endlich klare Sicht – ein Weg durch den Buzzword-Dschungel von New Work!

Beitrag zum Blog von NewOrg SOLUTION, https://www.neworg.de

Wie definiert ein großer Anbieter für digitale Dienste den Begriff New Work? – Als eine Arbeitsform mit flexiblen Arbeitsplätzen, die mit modernen Kommunikationstechnologien ausgestattet sind. Dagegen ein deutscher Büromöbelhersteller: als das Arbeiten in einer kommunikations- und produktivitätsfördernden Arbeitsumgebung. Zwei Beispiele von vielen, die den Begriff New Work geschickt, aber einseitig für das eigene product placement aufgreifen und prägen, aber damit von Kerngedanken ablenken.

Das Ursprungskonzept von New Work

Denn bei New Work geht es gar nicht um Produkte, sondern um den Menschen in der Arbeitswelt. Als der Philosoph Friethjof Bergmann Anfang der 1980er Jahre den Begriff der „Neuen Arbeit“ prägte, hatte er einen Alternativentwurf zum kapitalistischen Lohnarbeitssystem im Sinn. Die klassische Form der Arbeit solle nur noch ein Drittel der Arbeitszeit ausmachen. Das zweite Drittel solle eine Beschäftigung sein, die der Einzelne „wirklich, wirklich will“, die also mit den eigenen Wünschen und Begabungen übereinstimme. Und das restliche Drittel solle der Selbstversorgung gewidmet sein.

Professor Bergmann empfindet es in aktuelleren Interviews als bedauerlich (die meisten Leser aber als nachvollziehbar), dass der Aspekt der Selbstversorgung bei der Wirtschaftsfachpresse wenig Anklang fand, so dass er mittlerweile schon fast in Vergessenheit geraten ist.

Sein damals grundlegend neues und zentrales Anliegen ist heute aktueller denn je: dass Menschen im Wirtschaftsleben nicht mehr nur als Arbeitskräfte und Konsumenten wahrgenommen werden, die brav und widerspruchslos die ihnen zugewiesene Rolle im Arbeitsprozess wahrnehmen – und damit schon „drei Viertel tot [sind], lange bevor sie beerdigt werden.“ Sondern statt dessen eine motivierende, sinnvolle Arbeit suchen, bei der sie ihre Stärken einsetzen und sich selbst verwirklichen können.

Dafür ist Voraussetzung, dass für den Einzelnen gewisse Freiräume bestehen und ein Mitwirken an unternehmerischen Entscheidungen möglich ist. Also ein gleichberechtigteres Arbeiten, wo die Individualität jedes Mitarbeiters Berücksichtigung findet. Was aber letztlich auch den Unternehmen zu Gute kommt, weil Mitarbeiter unter diesen Bedingungen Bestleistung erbringen können.

Die heutige Auslegung

Die Ideen von Bergmann haben sich im Lauf der Zeit fortentwickelt. Erfreulicherweise hat sich mittlerweile der Aspekt der individuell motivierenden Arbeit von einem Drittel auf die gesamte Arbeitszeit ausgedehnt. Seit dem Beginn der Corona-Krise konnte sich der New Work-interessierte Leser an einer exponentiell steigenden Anzahl von Publikationen erfreuen, die gerne unter dem Namen eines bekannten Beratungshauses in Kombination mit einem renommierten Autor (m/w/d) aus dem wissenschaftlichen Bereich veröffentlicht wurden, siehe Schaubild am Ende.

Der Originalität halber sind die wesentlichen drei, fünf oder auch sieben Punkte, die New Work nach diesen Publikationen ausmachen, nie deckungsgleich. Als gemeinsamer Nenner lassen sich aber drei Eckpfeiler herausfiltern:

  1. sinnstiftender Einsatz der individuellen Arbeitskraft durch Berücksichtigung konkreter Stärken und Interessen;
  2. Demokratisierung der Arbeit mit mehr Teilhabe der Mitarbeiter, womit ein neues Führungsverständnis einher geht;
  3. Flexibilisierung von Zeit, Ort und Strukturen der Arbeit, letztere z.B. im Sinne von Agilität, wofür die Digitalisierung eine wesentliche Voraussetzung bildet.

Selbst zwischen diesen drei Säulen gibt es teilweise Schnittmengen: eine agile Organisationsform trägt nicht nur zur Flexibilisierung bei, sondern führt auch zu zur Demokratisierung, weil unabhängig von Hierarchien zusammengearbeitet wird.

Wie kommt man nun z.B. zu einem sinnstiftenden Einsatz der individuellen Arbeitskraft? In einem Folgeartikel widmen wir uns diesen drei Eckpfeilern und unseren Ansatzpunkten noch einmal im Detail.

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Das Berater-Netzwerk NewOrg SOLUTION begleitet mittelständische Unternehmen bei der Erarbeitung und Umsetzung von passenden Konzepten zu neuem, agilem und mitarbeiterzentriertem Arbeiten. Dank der unterschiedlichen beruflichen Herkunft der Berater werden die Aspekte Organisation, Personal, IT und Finanzen parallel beleuchtet.

TITELFOTO: adobestock.com / MarekPhotoDesign.com

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